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......diesmal fing alles ganz anders an, den ich bin eingeladen worden einen LKW, DB 811 voll mit Möbeln von Portugal nach Gambia zu fahren. Diesen 811 habe ich in Freiburg von einem libanesischen Autohändler gekauft und dann nach Nürnberg zur Probe gefahren und um die Reifen für den Terrano (der Allrad von Marianne und Nunu) zu holen. Der 811 ist bis Nürnberg recht gut gelaufen und ich dacht den bekommen wir schon irgendwie nach Gambia. Hatte noch einen Monat TÜV und ich habe Secrets und vertrauen in meinen Großvater das er uns schon sicher nach Gambia begleitet.
Bis Tavira (Portugal) lernte ich das Auto ein wenig kennen und stellte fest, das er ziemlich viel Öl verbraucht und der Öldruck auch nicht mehr der stabilste ist. Sobald der Motor auf Betriebstemperatur ist, sinkt der Öldruck von Max. auf 4 kp/cm² ab und das schon in Spanien und Marokko! wie soll das denn erst in der Wüste werden? wo das Öl gar nicht mehr kalt wird und bisher waren es nur Kleinigkeiten die zu machen waren: ein Loch im Reifen, neue Batterie, Abblendlicht und dann, als wir von Portugal los sind, kurz vor Algeciras, eine Reifenpanne. Ein Hinterreifen innen platzte durch das hoffnungslose Übergewicht einfach auf und wir waren gezwungen nach Jarez (da kommt der leckere Sherry her) zu fahren, wo wir uns dann entschlossen, wegen des Übergewichts im Koffer, auf der Hinterachse vier neue Reifen montieren zu lassen. Natürlich mussten wir bis zum nächsten Mittag warten da unsere Reifengröße kein Standard mehr ist, aber am nächstem Mittag haben die spanischen Jungs in einer unglaublichen Geschwindigkeit mal eben die vier Reifen gewechselt und dabei festgestellt, das wir auch bald den zweiten Reifen auf der gleichen Achse verloren hätten.
Aber ich greife ein wenig vor, denn ich sollte noch schreiben wie viele Kartons und andere Dinge, vor allem die Menschen, für die ich den Umzug fahre, auf mich warteten und als ich dann endlich angekommen war (natürlich habe ich allein fast bis vor die Haustür gefunden) wurde ich von Nunu in Empfang genommen und zum Haus begleitet. Dort erwartete mich, anders als erwartet, ein riesiger Berg Kartons, nein , sondern ein riesiges Chaos, alle gaben sich viel Mühe diesem Chaos Herr zu werden und alle halfen mit, die Kisten, Kartons, Schachteln und sperrigen Dinge eines Haushalts in diesen Container, 20", zu verstauen.
Nach zwei Tagen war dann auch alles verstaut und alle waren erleichtert als es endlich vom Hof ging. Los ging es über die Autobahn Richtung Spanien zum übersetzten mit der Fähre nach Tanger/ Marokko. Aber der geplatzte Reifen zwang uns gleich zu einer ungewollten Rast, die wir nutzten um das auftauende Fleisch, das noch im Gefrierfach war, vor zu braten, damit es nicht schlecht wurde. Tatsächlich, als die letzten drei der Koteletts in der Pfanne lagen und vor sich hin brutzelten, klingelte das Handy und die Reifenfirma rief an um zu sagen, das die neuen Reifen nun zur Montage bereit stünden.
Wir brieten noch in Ruhe die Koteletts fertig und dann ab nach Jarez zur Montage. Ein Eiertanz mit einem alten Reifen auf einer völlig überladenen Hinterachse, aber alles ging gut. Neue Reifen drauf, noch schnell das Handy nachgeladen, bezahlt und dann nix wie weg, wieder zur Autobahn..... mit dem Gefühl, das nun wenigstens die Reifen bis Gambia halten, obwohl das ja auch nicht sicher ist...... viele Kilometer und viele "gefahren".
In Algeciras angekommen haben wir noch ein Ticket für die nächste Fähre bekommen, es gab ein Missverständnis mit dem Ticket für den LKW, aber alles ging dann doch noch und wir kamen als letzte auf die Fähre ..... endlich wieder Afrika in Sicht.
Aber die Enttäuschung ließ nicht lange auf sich warten. Am Marokkanischen Zoll angekommen, bekamen wir die erste Lektion in afrikanischer "Ruhe", als nämlich klar war das der LKW keine Frachtpapiere hatte, war klar das wir uns auf eine längere Wartezeit einrichten können.
Der Nissan Terrano fuhr mal zur Kontrolle unters Dach und der LKW parkte davor, bereit wieder ausgeladen zu werden, wenn es denn sein musste.
Die Beamten nahmen sich nun zuerst den Terrano vor in dem Marianne, Nunu, die beiden Zwillinge, Ramatulai und Bassiro und die beiden Hunde ihr Reiseheim hatten. Nachdem der Anhänger kontrolliert war, ging einer der Beamten daran die Fahrerkabine zu prüfen und wurde beim Tasten der Beifahrersitzfläche fündig in Form einer Pistole. Dann war das Chaos auf einmal perfekt. Nunu wurde gleich in Handschellen abgeführt, unsere Pässe eingezogen und wir waren auf einmal alle kriminelle Waffenhändler.......... Die Einzelheiten der ganzen Aktion erspare ich euch, die ihr das nun lest, denn das zu beschreiben ist so gut wie unmöglich, außer man hat so etwas schon einmal erlebt. -Ich weiß nur, das ich eine solche Erfahrung gar nicht machen wollte, aber was kann man gegen die Angst eines jungen Mannes sagen, der mit seiner Frau, zwei Kindern und allem Hausrat eine Strecke durch die West-Sahara vor sich hat und seine Familie schützen will? -
In der Nacht um 5:00 Uhr Morgens wurden wir, Marianne, die Zwillinge und ich wieder zu unseren Autos zurückgebracht, ohne unsere Pässe natürlich, aber wir konnten endlich ein wenig die Augen zu machen, schließlich waren wir ja "Waffenhändler" und gefährlich. Nunu durfte wegen seiner unsagbaren Dummheit dafür die Marokkanische Staatsgewalt von innen kennen lernen. Irgendwann am Tag bekamen Marianne und ich unsere Pässe wieder mit der Aussagen, das wir nun frei wären und mit dem "Waffenhandel" nichts zu tun haben, was uns aber nicht wesentlich erleichterte, denn Nunu musste in Haft bleiben und sollte am nächsten Morgen nach Rabbat gebracht, um dort dem Richter vorgeführt zu werden.
Und dann ging der Zirkus erst richtig los, denn obwohl unser LKW wegen des Verdachts des Waffenhandels durch einen modernen Scanner gefahren wurde, bestanden die Zollbeamten darauf, nun auch noch zu wissen was in diesem Container alles drin ist.
Also musste ich die Ladefläche öffnen und einige marokkanische Zollhelfer begannen den Inhalt des Containers auf dem Parkplatz vor dem Zoll aus zu laden. Ein wirklich perfektes Chaos. Natürlich musste auch noch ein Hund, der Waffen riechen kann, durch das ganze Chaos schnüffeln und am Ende auch noch einen Koffer markieren. Auf jeden Fall wurden keine weitern Waffen gefunden und die Zollbeamten waren enttäuscht und ich erleichtert. Dann entspannte sich die Situation und wir konnten daran denken die Zollformalitäten für den LKW zu machen. Der Terrano sollte zwischenzeitlich auch noch mal beschlagnahmt werde, da er ja zur Ausübung einer Straftat benutzt wurde, aber dieser Gedanke hat sich doch schnell zerschlagen.
Er bekam dann ziemlich schnell seine notwendigen Papiere und dann ging es an den LKW. Ein ziemlich hoher Beamter musste aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen auf einmal meinen Pass noch einmal überprüfen und als nach Stunden mein Pass nicht mehr zu finden war, hieß es auf einmal, wir hätten meinen Pass verschlampt. Nach weiteren Stunden des Wartens und üben in Geduld, riss mir dann doch der Faden und gab Laut und drohte, die deutsche Botschaft anzurufen, um den Fall zu melden. Kurz darauf tauchte mein Pass doch wieder auf, mit der Erklärung das der Pass von jemand gebracht wurde weil Marianne ihn wohl verloren hat. Alle Gesichter blieben gewahrt und dann endlich konnten die Zollformalitäten erneut in Angriff genommen werden. Natürlich waren inzwischen ganz andere Beamte im Dienst, die von der vorherigen Untersuchung des LKW's natürlich nichts mitbekommen haben und deshalb sollten wir den LKW nochmals öffnen und ausladen. Beharrlichkeit bringt Heil ....... ich weigerte mich auch nur ein Teil auszuladen oder den Container nochmals zu öffnen und Marianne redete mit Engelszungen.
Endlich konnten wir dann den Container doch wieder schließen und der Ladezettel wurde erstellt, die Zollgebühren bezahlt und dann erhielten wir ziemlich schnell unsere nötigen Stempel ---- wir waren drin ! ! ! !
Nun sitze ich in einer marokkanischen Autobahnrasstätte und schreibe auf was ich bisher erlebt habe und werde gut versorgt. Die Kellner sind sehr freundlich, ich habe einem LKW Fahrer geholfen ein Kardanwellenlager zu wechseln. Und ich habe beschlossen das ich mich durch den Stress der beiden nicht beeinflussen lassen will und mache in Ruhe mein Ding. Dadurch bekommt diese Fahrt für mich eine ganz andere Qualität und ich bekomme nun endlich auch mal ein wenig mehr Kontakt zur Bevölkerung. Als wir hier auf dem Rastplatz ankamen lernten wir gleich zwei nette LKW Fahrer kennen und tauschten Wissen über die verschiedenen Formulare und Dokumente aus. Pässe wurden gezeigt Zulassungen und viele andere Dinge, bis das Teewasser gekocht hat und wir einen richtigen Fernfahrer- Tee bekamen.
Gegen Mitternacht wurden noch ein paar Fotos gemacht und dann ab in's Bett. Heute ist Marianne dann noch mal zurück nach Tanger gefahren um sich nach dem Verbleib ihres Nunu zu erkundigen, da über die Botschaft keine Auskunft zu bekommen war. Das nächste Problem das auf uns zukommen wird ist Zeitstress, denn der LKW muss innerhalb von 15 Tagen durch Marokko durchgefahren sein...... nach Mauretanien. Ich denke auf dieser Reise wird meine Geduld geprüft und ich habe mir vorgenommen, die Prüfung zu bestehen und die Ruhe nicht zu verlieren ...........
..... und geduldig sollte ich sein, denn die Probleme mit dem 813 sollten erst anfangen, als wir dann schon einige Kilometer in Marocco waren begannen die Geräusche, die ich nicht zuordnen konnte. Irgendwann wurde ich unruhig und hielt noch mal an umzuschauen und siehe da, in einem Hinterrad lag ein abgerissener Radbolzen, einfach abgerissen. Mir wurde ganz komisch bei der Vorstellung, das ich ein Rad verloren hätte. Bei nächster Gelegenheit habe ich dann den LKW hochgebockt und alle verbliebenen Radmuttern nachgezogen und habe innerlich auf die Werkstatt in Jerez (Spanien) geschimpft. Als alle Radmuttern nachgezogen waren, ging es beruhigt weiter.
Der Motor hat gute Arbeit geleistet und ich bekam immer mehr Vertrauen zum meinem Gefährt. Und dann, kurz vor Tarfaya, der große Schock. Ich hielt mal wieder an um die Beine zu vertreten und was sehen meine entzündeten Augen !! wieder eine Radmutter die in der Felge liegt und bei näherem hinschauen entdeckte ich, das nur noch zwei Radmuttern übrig waren. Das war's dann erst mal. PAUSE.
Marianne musste dann nach Tarfaya fahren und einen Mechaniker holen, wir hatten immer noch keinen Wagenheber und auch kein Radkreuz, sodass ich selber nichts machen konnte. Ich machte es mir bequem und wartete das Marianne mit dem Mechaniker wieder kam, was auch nicht all zu lange dauerte. LKW aufgebockt und Rad abgeschraubt.
Die Bremstrommel musste auch runter, da die Radbolzen ja noch abgebrochen in der Trommel steckten. Die Felge hat so dermaßen gelitten, das sogar ein paar Stückchen ausgebrochen waren. Der Mechaniker und Marianne machten sich gleich wieder auf den Weg. ich war wieder allein, aber nicht lange, denn schon bald kam ein Hund auf mich zugelaufen und schnüffelte nach etwas essbarem und sein Herrchen, ein ziemlich alter Mann kam auf mich zu, grüßte mich, erzählte mir etwas - und ich verstand natürlich gar nichts und antwortete ihm auf deutsch. Danach verschwand er an der ewig langen marokkanischen Küste.
Um einmal vorzugreifen, der LKW hatte ein Gewicht von 11 t. Eigentlich ist ein 813 ja ein 7,5 t LKW-
Es ging jedenfalls weiter, ja bis auf einmal der Gute immer langsamer wurde und schließlich blieb er einfach stehen. So musste ich wieder mal raus und nachschauen. Der Fehler war leicht gefunden: die Dieselfilter waren dicht. In den Tanks hatte sich der Rost gelöst und die Filter verstopft, also hieß es Diesel schlucken. Aber auch solche "Kleinigkeiten" haben uns natürlich nicht davon abgehalten unseren Weg fortzusetzen. Ich habe mich nur im Laufe der vielen Male in denen ich die Filter säubern musste, immer wieder gewundert wie viel Rost sich in einem solchen Tank ansammeln kann.
Doch es kam noch schlimmer, denn als wir an der Grenze zu Mauretanien angekommen waren, stellte Marianne direkt an der Grenze fest, das ein Rad an ihrem Hänger fast abgefallen war und da wir mit einem Auto mit Hänger nach Marocco eingereist waren, sollten wir auch mit beiden wieder ausreisen. Gesagt getan, eine Coladose half mir dabei, das Rad wenigstens solange zu fixieren, bis wir durch den Zoll waren und aus Marocco raus kamen. Dann kam das Stück Niemandsland zwischen Marocco und Mauretanien. Auf halber Strecke gab das dünne Aluminium der Coladose den Geist auf und ich musste wieder improvisieren, diesmal mit einem alten Ölfilter der da einfach so in der Wüste lag. Mit einem Schraubendreher trennte ich den Filter von Schraubgewinde und hatte eine gute Beilagscheibe. Die dann auch hielt bis wir in Mauretanien waren und den Hänger abstellen konnten. Dann ging es nach Nouadibou, eine Hafenstadt mit gutem Klima.
Dort Lernte ich einen sehr netten Schweden kennen, der schon lange dort lebte. Er sagte mir alles kein Problem. Schon am gleichen Tag, ein paar Stunden und ein paar Tassen Milchkaffee später kam Nordin und half mir dabei die Teile die benötigt wurden zu finden und ab ging es in eine Werkstatt, die dann einfach kurzerhand einen neuen Achsbolzen gedreht haben. Alles in allem ging das sehr schnell und am übernächsten Tag konnten wir schon wieder weiterfahren. Das mussten wir auch, hatten wir doch nur 5 Tage Visum für Mauretanien. Mit einer Nachtfahrt schafften wir es dann auch bis zum vorgegebenen Termin Mauretanien zu verlassen.
Fortsetzung folgt .........
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